Ein Blick in Modul 3

Beschreibung:

Bevor wir uns in den nächsten Wochen damit beschäftigen wie man einen Hundeführer und seinen Hund optimal auf die Starts auf einem Agility-Turnier vorbereitet, geht es in diesem Thema zunächst einmal darum was es überhaupt bedeutet mit dem Partner Hund einen Sport Wettkampf mäßig zu betreiben.

Ich weiß dass sich viele Hundeführer dagegen wehren Agility als Wettkampfsport zu sehen und anzuerkennen, obwohl sie selbst an Wettkämpfen teilnehmen. Agility als Wettkampfsport steht für viele Hundeführer für das ehrgeizige verfolgen eigener Ziele ohne Rücksicht auf den Hund. Dabei ist in meinen Augen grade diese Rücksichtnahme auf den Teampartner Hund der Schlüssel dazu erfolgreich Turniere starten zu können und ich bin mir sicher dass ein großer Teil von Erfolg im Agility auf dem Verständnis des eigenen Hundes beruht.

 

Ich als Hundeführer bin immer in der Verantwortung dafür zu sorgen dass mein Hund sauber, sicher und freudig in einem Agility-Parcours arbeiten kann. Diese Verantwortung ist weder davon abhängig wer mich grade trainiert noch unter welchen Bedingungen ich grade laufe. Für meinen Hund sollte es keinen Unterschied machen ob er einen Parcours auf einem Turnier oder im Training läuft. Ist dieses doch der Fall mache ich, als Hundeführer etwas falsch. Und dabei ist es in meinen Augen egal ob der Hund sich nicht wohlfühlt weil der Hundeführer überehrgeizig ist oder weil er mit der Situation überfordert ist. Wenn ich es allerdings schaffe mit meinem Hund ein wirkliches Team zu sein, ist es völlig irrelevant welche Ziele wir zusammen verfolgen.

In diesem Thema möchte ich daher einmal an zwei Beispielen darstellen was es für mich bedeutet als Team Agility als Wettkampfsport zu betreiben.


Das Spiel mit den Erwartungen

Sich einem Wettkampf zu stellen ist für mich immer ein Spiel mit Erwartungen. Dabei ist es in meinen Augen völlig egal ob man mit keinen Erwartungen, zu hohe oder negativen Erwartungen in einen Wettkampf geht, immer sollte es darum gehen was diese Erwartungen für unseren Teampartner Hund bedeuten. Denn allein die Erwartung mit der ich in ein Turnier gehe ist für meinen Hund nicht relevant. Denn für meinen Hund ist einzig und allein mein Handeln das aus diesen Erwartungen resultiert relevant. Um das noch besser zu verdeutlichen hier mal einige Beispiele zu den verschiedenen Erwartungen.

Was bedeutet es eigentlich keine Erwartungen zu haben?

Ich treffe immer wieder Hundeführer die behaupten dass sie keine Erwartungen an den Hund haben. Ich schreibe bewusst behaupten, denn keine Erwartungen zu haben, bedeutet für mich das es einem völlig egal ist was auf dem Turnierparcours passieren wird, man ist mit allem zufrieden. Mal abgesehen von dem was auf, in und über den Hindernissen passiert, bedeutet das auch das man nicht die Erwartung hat das der Hund diesen Lauf mit mir als Team absolviert und das nicht zu mindestens nichts anderes als im Training passiert. Und jetzt Frage ich euch ernsthaft, wie viele Menschen habt ihr kennengelernt bei denen genau das der Fall war? Ehrlich gesagt ich habe in 10 Jahren vielleicht 2 getroffen die von sich behauptet haben keine Erwartungen zu haben und dann auch wirklich danach gehandelt haben. Viel viel öfter habe ich aber die Hundeführer erlebt die behauptet haben sie hätten keine Erwartungen, dieses sogar als Legitimation für den ein oder anderen Trainingsrückstand anführten, die aber insgeheim doch immer irgendwelche Erwartungen mit sich trugen. Erkennen konnte man das dann immer an den Reaktionen der Hundeführer wenn es dann wirklich etwas nicht geklappt hat. Auch wenn diese Menschen sicherlich niemand sind die wie wild auf den Hund schimpfen etc. aber diese Menschen kommen sicherlich nicht mit dem Gefühl „ Das hat Spaß gemacht „ aus dem Parcours , vielmehr war es ein „ das hab ich mir irgendwie doch anders vorgestellt“ und an dem Punkt ist es für mich mit dem Wahlspruch „ Agility is Fun“ schon vorbei. Denn wir können unsere Hunde nicht veräppeln. Selbst wenn wir ihnen nach dem Lauf trotzdem ihr Spielzeug geben oder Ihre Futterbelohnung, spüren sie doch insgeheim das wir nicht zufrieden sind. Und ich bin der fest Überzeugung das das vielen Hunden keinen Spass macht. Ihr könnt euch  ja selber mal vorstellen wie ihr euch fühlt wenn euch jemand lobt, ihr aber ganz genau wisst dass er das nicht so meint und ihr spürt das er das nur tut weil er sich dazu verpflichtet fühlt. Des Weiteren stellt sich natürlich die Frage ob es für das Team spricht wenn man so miteinander umgeht.

Was bedeutet es eigentlich sehr hohe Erwartungen zu haben?

Es gibt natürlich auch Hundeführer die mit sehr hohen Erwartungen in den Parcours gehen. Ganz egal ob diese Hundeführer siegen wollen oder einfach nur erwarten dass der Hund eine bestimmte Leistung erbringt, in der Regel richten sich diese Erwartungen ausschließlich auf den Hund. Kein Hundeführer macht zum Aufwärmen noch mal 20 Belgier damit er sie im Parcours dann auch hinbekommt, der ein oder anderer Hund muss aber durchaus so viele Sprünge zum „aufwärmen“ absolvieren. Jetzt stellt sich natürlich die Frage was sehr hohe Ansprüche sind. Für einen unerfahrenes  A1-Team ist es sicherlich ein hoher Anspruch Null-Fehler zulaufen, für einen erfahrenen A3 ist dieses ein ganz normales Ziel. In meinen Augen bekommt man als Team dann ein Problem wenn ein Team-Partner Ansprüche an den anderen Team-Partner stellt die dieser selbst wenn er sich ansträngt nur sehr schwer erreichen kann. Das heißt wenn z.B meine Ausbildung des Hundes nicht zu meinen Erwartungen passt, ist am Ende der Hund der Leid tragende weil auch Hunde einen Sinn dafür haben ob sie den Ansprüchen ihres Menschen gerecht werden. Und dafür muss ich gar nicht dazu neigen zu motzen etc.. Im Prinzip sind also nicht hohe Erwartungen ein Problem sondern zu hohe. Das wird in meinen Augen oft dadurch begünstig das die Hundeführer nicht genau wissen was ihr eigener Hund im Stande ist zu leisten, aber durchaus wissen was andere Hundeführer leisten. Das messen mit anderen sollte sich darauf beschränken ihn im Wettbewerb schlagen zu wollen, nicht aber darin enden das ich von meinem Hund erwarte das er das leistet was ein anderer Hund ja auch leistet. Zu einem Team gehören immer zwei und wenn ein Team-Mitglied einen Fehler macht ist dieses auch immer der Fehler des anderen.

Was bedeutet es eigentlich negative Erwartungen zu haben?

Einige von euch werden sich jetzt bestimmt Fragen, wer denn auf Turniere geht wenn er erwartet das dort nicht gutes passieren wird, er vielleicht sogar unwohl dabei fühlt oder Angst davor hat. Ehrlich gesagt kann ich euch das auch nicht beantworten, aber ich beobachte immer wieder Hundeführer die dieses tun. Bei diesen Menschen scheint das „Prinzip Hoffnung“ jeglichen Zweifel solange zu verschleiern bis sie wieder auf dem Platz stehen und doch wieder nichts klappt bzw. die gleichen Dinge sie immer wieder einholen. Das liegt sicherlich auch daran das viele Hundeführer glauben das sie viele Dinge nicht trainieren oder abstellen können, weil sie in ihren Augen abhängig von der Turniersituation sind. Darauf werde ich später in diesem Thema noch einmal eingehen, grundsätzlich bin ich aber der Meinung das es nur sehr wenige Probleme gibt die im Turnier auftreten die ich nicht auch außerhalb dieser Situation lösen kann. Kommen wir also zunächst darauf zurück was es für den Hund bedeutet mit einem Menschen mit negativen Erwartungen bzw. der nach dem Prinzip Hoffnung handelt zusammen zu arbeiten.  Wir Menschen haben die Fähigkeit unserer negativen Erwartungen und Ängste, mit unserem Verstand soweit zu kontrollieren dass wir uns einer unangenehmen Situation aussetzen können. Diese Kontrolle bedeutet in der Regel aber nicht dass diese Erwartungen und Ängste nicht mehr da sind und damit sind sie für den Hund weiterhin spürbar.  Der Hund kann von dieser Kontrolle nur dann profitieren wenn sie dazu führt das wir keine Angst, keine Aufregung etc. mehr in dieser Situation empfinden sondern uns selbst so steuern können das wir selbst an das glauben was wir uns da selbst einreden. Für den einen könnte das bedeuten das sein Hund anders ausgebildet werden müsste, damit er sich mehr oder besser auf dessen Ausbildung verlassen kann. Ein anderer hingegen muss aktiv lernen positiv und entspannt in einen Wettkampf zu gehen. Denn auch hier wieder möchte ich euch bitten euch einmal vorzustellen wie ihr euch fühlen würdet, wenn ihr mit einem Teampartner arbeiten müsstet bei dem ihr ganz genau spürt das er Angst vor dem hat was ihr macht bzw. der mit der Situation überfordert ist.

Ich bin mir durchaus bewusst dass kein Mensch der mit keine Erwartungen, sehr hohe Erwartungen oder negativen Erwartungen mit seinem Hund auf einem Turnier startet, dem Hund damit ernsthaft schadet. Doch wie ihr euch alle vorstellen könnt ist es unter den Voraussetzungen die Turniersituation für den Hund, nicht die angenehme Situation in der er gerne arbeitet und seine besten Leistungen abrufen kann. Und da stellt sich mir die Frage ob ich meinem Hund, um selbst Spaß zu haben einer Situation aussetze die für ihn nicht angenehm ist. Insbesondere dann wenn ich es mit einfachen Mittel schaffen könnte das wir beide Spaß an der Situation haben. Das heißt für mich dass ich wenn ich Agility als Wettkampf- bzw. Turniersport betreiben möchte, erst mal zu sehen sollte dass ich meinem Hund auch in dieser Situation ein zuverlässiger Partner sein kann. Und dafür muss ich mir in meinen Augen bewusst werden was ich möchte, was auf mich zu kommt und wie ich damit umgehe. Wie das aussehen kann, werden wir uns im nächsten Thema „ Vom Hundeführer zum Wettkämpfer“ anschauen.

 

Trainingspläne

  • Mein Trainingsplan für Junghunde. Die Zeitangaben sind dienen nur der groben Orientierung und müssen an die Entwicklung des Einzelenen Hundes angepasst werden.

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