Sprungtraining bei Augenproblematiken im Agility - 5 Do´s und Dont´s

Ich selber habe keinen Hund mit Sprungproblemen oder einem Augenproblem, ich habe aber in den letzten 2 Jahren bei ca. 80 Hunden problematisches Sprungverhalten via Videoanalyse analysiert und anschließend trainiert. Davon hatten 90 % ein Sprungproblem, da das der Grund für die Analyse war ;-) Dabei habe ich für mich 5 Dinge festgestellt, die natürlich nicht auf wissenschaftlich fundierten Beinen stehen aber evtl. dem ein oder anderen Helfen.

 

1. Ruhig bleiben

Egal ob ein Hund im Aufbau oder ein erfahrener Hund in einer neuen Situation ein Sprungproblem zeigt, tut euch einen gefallen brecht das springen ab. Ich sage zu meinen Schülern immer maximal 5 Sprünge sind erlaubt um zu schauen ob der Hund die Situation in den Griff bekommt oder nicht. Alles was darüber hinaus geht wird erstens ohne gezieltes Training nicht besser und birgt 2 große Gefahren. Erstens geht es leider manchmal sehr schnell das der Hund falsche Verknüpfungen setzt. Ein beliebtes Beispiel ist das viele Hundeführer versuchen, wenn der Hund am Sprung plötzlich unsicher ist diesen verbal zu motivieren besser zu springen. Mal abgesehen davon das der Hund in der Situation alles andere als mehr Geschwindigkeit braucht, ist es die Frage warum der Hund anders springen sollte wenn er dafür so viel positiven Zuspruch bekommt bzw. der Mensch plötzlich ganz komisch ist ?! Zweitens ist in solchen Situationen die Gefahr sehr groß das der Hund z.B in die Hürde springt und selbst wenn er sich nicht verletzt zu mindestens negative Erfahrungen mit dem Sprung macht. Wenn der Hund also plötzlich Probleme am Sprung zeigt, ruhig bleiben, nichts anders machen als sonst , maximal 5 Sprünge ( am besten Einzelsprünge) springen lassen und wenn der Hund danach nicht so wie immer springt, springen abbrechen und analysieren was das Problem sein könnte (Lichtverhältnisse etc.) . Das gilt auch für Hunde im Aufbau die evtl. Probleme erst bei einer neuen Sprunghöhe oder bestimmten Handlings zeigen.

 

2. Augenprobleme sind die Ursache, aber nicht die Lösung

Hunde entwickeln durch Probleme mit den Augen Sprungprobleme, die man aber nicht mit dem lösen des Augenproblems wieder korrigieren kann. Sprungprobleme sind Fehler im Bewegungsablauf, Fehlverknüpfungen und oft auch Verhaltensweisen auf Grund von schlechten Erfahrungen die man nur wegtrainieren kann. Das heißt wenn ein Augenproblem diagnostiziert wird, muss jedem bewusst sein das die Therapie am Sprung stattfinden muss und in der Regel sehr viel Zeit braucht. Es gibt auch Hunde die legen bestimmte Verhaltensweisen nie ganz ab, einfach weil sie so gefestigt sind das man nur sehr schwer neue Impulse am gleichen Gerät in den gleichen Situationen setzen kann.

3.Gründlich Analysieren

Ich kann es nur immer, wieder sagen schaut euch das Sprungverhalten eurer Hunde ganz genau an. Es gibt aus meiner Sicht keine eindeutigen Kennzeichen die auf ein Augenproblem hindeuten bzw. eines ausschließen. Alles "wenn er Augenprobleme hätte / müsste / könnte " bringt einem gar nichts, denn die "Symptome" sind sehr unspezifisch. Was allerdings auffällt ist das Hunde mit Augenproblemen oft Probleme mit unbekannten Hürden, Lichtverhältnissen und Situationen haben. Aber selbst dann sind die Verhaltensweisen oft sehr unterschiedlich. Der eine Hund beginnt zu meiden, der nächste taxiert, der dritte hat nur an bestimmten neuen Hürden ein Problem etc.. . Ausschließen kann man ein Augenproblem ausschließlich durch eine Untersuchung der Augen. Des Weiteren ist nicht jede Methode im Bereich Sprungtraining für Hunde mit vermuteten oder diagnostizierten Augenproblemen geeignet.

4. Bestimme Methoden helfen Hunden mit Augenproblemen

Linda Mecklenburg hat schon bei der Analyse und der Arbeit mit Hunden mit Early Take off-Syndrom festgestellt das es den Hunden hilft wenn man die Sprünge räumlicher macht. Auch wenn das Early-Take-Off - Syndrom nicht primär mit der Funktionalität der Augen zu tun hat, hilft es aus meiner Sicht Hunden mit Augenproblemen wenn man ihnen beibringt den Ausleger anstatt die Stange zu "sehen" . Das Heißt bei diesen Hunden ist der Aufbau ohne Stangen sehr wichtig denn wenn der Hund sich nicht allein auf die Stange fixiert hilft ihm das wenn er nicht gut sieht. Des Weiteren reagieren solche Hunde in der Regel besser auf Methoden bei denen viel mit einzel-Hürden gearbeitet wird und das Anlaufen diese Schrittweise trainiert wird. Sprungreihen sind für Hunde mit Augenproblemen eher kontraproduktiv, da Sie die Hunde oft überfordern. Ich persönlich lasse einen Hund mit vermutetem oder diagnostiziertem Augenproblem keine Hürden hintereinander oder außerhalb eines gezielten Sprungtrainings arbeiten bis das Sprungproblem gelöst ist. Schafft man es nicht dem Hund über gezieltes Sprungtraining einen guten Sprungstil trotz Augenproblemen anzutrainieren, muss der Hund aus meiner Sicht aus dem Sport genommen werden. Die Diagnose allein ist also noch nicht das Urteil das der Hund Agility nicht mehr oder nicht mehr ohne Hilfsmittel machen darf, aber er darf ihn definitiv nicht ohne gezieltes auf das Problem abgestimmtes Sprungtraining weitermachen. Wenn der Hund an anderen Geräten Probleme zeigt, gilt da für mich das gleiche. Des Weiteren brauchen solche Hunde sehr viel Zeit und reagieren schlecht auf das Mischen von vielen verschiedenen Übungen.

 

5. Aufwand vs. Nutzen

Das Therapieren von Sprungproblemen ist sehr aufwendig und langwierig. Selbst wenn man es hinbekommt das der Hund z.B Kontaktlinsen akzeptiert und man den finanziellen Aufwand betreiben möchte/kann, muss man damit rechnen, dass es je nach Schwere des entstanden Problems bis zu 2 Jahren dauern kann bis man über gezieltes Sprungtraining neue Sprungverhalten etabliert hat. Und etablieren heißt in dem Fall mindestens einmal die Woche gezieltes Sprungtraining während der Hund evtl. im Parcours gar nicht springen darf. Wer also einen Hund mit diagnostiziertem Augenproblem hat der Probleme am Sprung zeigt sollte sich sehr gut überlegen was er bereit ist zu investieren. Natürlich kann man auch ein gezieltes Sprungtraining jederzeit abbrechen und die Entscheidung treffen das man es nicht schafft das Handicap zu überwinden, aber man braucht nicht darauf zu hoffen das ein bisschen gezieltes Training evtl. schon hilft.

 

Wer die Vermutung hat das sein Hund ein Augenproblem hat oder evtl. schon eine Diagnose hat und einen fachkundigen Rat braucht kann mir gerne eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schicken.

Allen die wissen wollen wie ihr Hund springt und lernen wollen wie man bestimmte Fähigkeiten am Sprung trainiert empfehle ich unseren Sprungkurs Jump2go - Individuell . Wer sich als Trainer mit dem Thema beschäftigen möchte kann sich unser Modul 5 einmal anschauen.

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