Faszination Agility oder auch woran ich Spaß hab...

Ich hab lange, lange, lange überlegt ob ich mich an den Diskussionen rund um die WM-Qualis 2018 beteilige oder nicht. Ich hab mich bewusst dagegen entschieden, weil ich erstens nicht dabei war und für mich die Diskussionen am Thema vorbei gehen . Dennoch möchte ich die Gelegenheit nutzen auf etwas hinzuweißen was für mich im Agility sehr wichtig ist und das scheinbar, selbst in diesen Diskussionen keine Rolle spielt.

Mich fasziniert am Agility vor allem das es möglich ist einem Hund recht komplexe nicht natürliche Verhaltensweisen ohne Zwang und aversieve Methoden, so beizubringen das er Sie in unbekannten Situationen mit einer hohen Zuverlässigkeit zeigt. Es ist also die Ausbildung die mich fasziniert und die für mich ein Team von einem guten oder sehr guten Team unterscheidet. 

Dabei bewerte ich die Ausbildung des Hundes  und damit die Fähigkeiten des Hundeführers als Hundetrainer , nicht im Vergleich zu anderen Teams sondern rein an dem wie gut das gewünschte Ergebniss erreicht wird. Das heißt mich fasziniert ein Hund der gelernt hat auf Distanz viele Kommandos in Perfektion auszuführen, wesentlich mehr als ein Hund der kaum Wissen hat aber dafür verdammt schnell laufen kann. Das heißt für mich ist eine Ausbildung dann gut,wenn Sie die individuellen Ausbildungs-Ziele des Teams erreicht. Dementsprechend habe Respekt vor jedem Team das eine gute Ausbildung zeigt egal wie schnell dieses Team ist und wo es am Ende auf der Startliste steht. Noch mehr Respekt habe ich vor Hundeführern die über Ausbildung die eigenen Schwächen und die ihrer Hunde so minimieren das Sie dennoch Hundeführer und HUnde mit optimalen Vorraussetzungen zumindestens sehr nah kommen.

Ausbildungsziele gibt es im Agility Hunderte und ich persönlich hab mit noch keinem meiner Hunde alle erreicht. Manche Ziele habe ich bisher bei jedem Hund erreicht, bei anderen war ich  von Hund zu Hund  näher dran, manche habe ich mit dem einen Hund ganz erreicht mit dem anderen garnicht, manche Ziele werden mit der Zeit schwerer zu erreichen usw.. Daher steht ganz oben auf meiner Agility-Liste  meine Ausbildung immer besser zu machen und irgendwann jedes individuelle Ausbildungsziel mit jedem Hund zu erreichen.

Daher bin ich immer auf der Suche nach den "Ausbildern" im Agility-Sport. Meist finde ich die unter den erfolgreichen Sportlern bzw. oft sind erfolgreiche Sportler auch gute Ausbilder. Ich hab in Sachen Ausbildung auch schon sehr sehr viel von sehr guten Ausbildern in einem bestimmten Bereich gelernt, die garnicht im Agility aktiv sind oder zumindestens nicht so erfolgreich das Sie ganz oben mitlaufen. Auf der anderen Seite habe ich aber auch schon sehr gute Sportler kennengelernt, von dennen ich nur wenig für meine Fähigkeit als Ausbilder meines Hundes mitnehmen konnte. 

Mit dem Ziel ein immer besserer Ausbilder zu werden   motiviere ich mich bei jedem Training, Seminar und Turnier und freue mich dabei ein Ast das dieses Ziel völlig unabhängig von dem Ergebnis des Laufes ist. Für mich ist es unheimlich befreidend das das erreichen meines Ziels unabhängig von allem um mich rum ist, es geht nur darum ob ich und mein Hund das was da steht mit unserer Ausbildung lösen können. Dabei ärgere ich mich natürlich auch darüber wenn wir unser Ziel z.B einen Slalom-Eingang den wir eigentlich können müssten nicht treffen. Ich ärger mich aber nicht darüber wenn etwas schief geht was wir einfach noch nicht zuverlässig können. Auch dann nicht wenn andere offentsichtlich näher an ihrem Ziel sind oder in einem Parcours mehr ihrer Ausbildungsziele erreichen können, denn dann ist ihre Ausbildung einfach an den Stellen besser als meine. Ich ärgere mich aber auch wenn ich gewinne obwohl ich mein Ausbildungziel nicht erreicht hab und einfach nur Glück hatte. 

Ich bin der festen Überzeugung das eine gute Ausbildung auch immer irgendwann zu einem Erfolg führt. Ob das der Erfolg ist den man sich am Anfang der Laufbahn wünscht und erhofft, hängt dabei von sovielen Aspekten ab die kaum jemand vollständig vorhersehen kann.Solange der Mensch und Hund gesund bleiben kann jedes Team mit dem was ich unter einer guten Ausbildung bzw. mit meinen  Ausbildungzielen für einen A3-Hund,heute in Deutschland die A3 erreichen und dort bleiben. Meine Bewertung in welcher Klasse ein Hund laufen sollte/kann ist also völlig unabhängig davon wieviel Zeit/Geld und eigene Fitness der Hundeführer investieren kann, sondern davon wie gut der Hund ausgebildet ist.

Als jemand dem die Ausbildung der Hunde die Grundlage für alles im Agility ( Motivation, Erfolg, Zusammenarbeit etc.)  ist es ehrlich gesagt sehr erschreckend das dieses Thema kaum eine Rolle bei den Diskussionen um die Agility-Zukunft spielt. Es wird wieder darüber diskutiert was wir für Klassen brauchen, damit jeder seinen Platz auf einem Turnier findet , aber nicht darüber was evtl. dafür getan werden muss das die Ausbildung unserer Hunde sich in dem gleichen Maß entwickelt wie der Schwierigkeitsgrad unserer WM-Quali -Parcours.

Die Spanne der Ausbildungs-Qualität geht in meinen Augen immer weiter ausseinander, was zu Konflikten, Unfällen und immer mehr Hunden führt die an der Stelle wo eine hohe Ausbildungqualität gefordert ist masslos überfordert sind. Jetzt kann man natürlich sagen das jeder die Ausbildung seinen Hundes einschätzen können muss und dementsprechend eben von Turnieren oder Starts bei den Qualis absehen soll, aber genau da sehe ich das nächste Problem. In der Bewertung des Potenzials eines Teams spielt die Ausbildung bzw. die Fähigkeiten des Hundeführers als Hundeausbilder ebenfalls kaum bis garkeine Rolle. Will heißen ein Hund der aus einer guten Linie kommt, Eltern hat die super schnell sind , der richtigen Rasse angehört hat pauschal mehr Potenzial als ein Hund aus den das nicht zutrifft. Wenn dann durch schlechte Ausbildung der Hund mit soviel Potenzial z.B schlechter springt als seine Eltern und damit hinter seinem vorhergesagten Potenzial bleibt, dann ist selbst das oft kein Grund seine Ausbildung zu hinterfragen. Und so bleibt das Niveau der Ausbildung an vielen Stellen in der Breite leider gleich bzw. Entwickelt sich nicht schnell genug. 

Lange Rede kurzer Sinn. Ich persönlich bin nicht für eine 4. Klasse oder dafür Veranstaltungen wie die WM-Qualis einfacher zu machen.Ich finde anstatt unsere Energie in immer neue Ideen rund um das Reglement, Qualibedingungen zu stecken, sollten wir uns lieber mal darüber im klaren werden wie gut die Ausbildung unserer Hunde in der Breite ist. Denn man braucht weder fünfmal in der Woche Training, noch einen Border Collie, noch eine Hundesporthalle, noch körperlich Fitness um ein guter Agility-Hundetrainer zu sein. Was wir in meinen Augen brauchen ist vorallem der Transfer von Wissen und das nicht damit jeder ein potenzieller WM-Starter wird, sondern damit die Ausbildung die in einem Verein erfolgt für niemanden der Grund ist warum er sein individuelles Potenzial nicht ausschöpfen kann. 

An der Stelle würden sich auch viele Vorurteile und dieses Denken in Kategorie denken, erübrigen. Zum einen wären dann diejenigen die Erfolg haben nicht die "Profis" die die schneller, jünger und mit dem besseren Hund ausgestattet sind sondern die von dennen man oft  eine Menge für seine eigene Ausbildung lernen kann. Zum anderen wäre gute Ausbildung nicht ein nebolöses Etwas was nur auf Tierquälerei begründet sein kann, sondern etwas was jeder nachvollziehen und jedem zugänglich ist. Natürlich müsste es auch ein Umdenken bei dennen geben die heute schon eine gute Ausbildung zu leisten.

Es ist für mich völlig legitim das man mit dem Vorsprung an Wissen Geld verdient, aber die Frage ist ob das wirklich an jeder Stelle so ausgelebt werde muss das sich nur ein Bruchteil der Sportler den Zugang zu dem Wissen leisten können. Hier würde ich mir auch von anderen Trainern/ erfolgreichen Sportlern mit Angebote für ehrenamtliche Trainer ( gern über die Verbände) wünschen, um da mit die Entwicklung unserer Ausbildung im Sinne des Agility´s in Deutschland vorranzutreiben. Das es kaum noch "Trainer"-Seminare gibt ist dabei für mich ein errschreckendes Zeichen denn das zeigt für mich das es dafür einfach keinen Markt gibt und ein Markt ist immer ein Ergebnis von Nachfrage und Angebot. 

In diesem Sinne sein freue ich mich auf die Diskussion über die Agility-Ausbildung in Deutschland, die ihr gerne mit mir hier auf der Seite oder in den Sozialen-Medien führen könnt. 

 

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